Siliconherstellung


Herstellung und Eigenschaften von Siliconen

Silikone begegnen uns in vielfältiger Form und mit unterschiedlichen Funktionen in
unserem täglichen Leben. Die spezifischen Eigenschaften von Silikonen machen
diese zu einem unverzichtbaren Werkstoff in unserer Welt. Sei es nun als Dichtungs-
massen, elektrische Isolatoren, Schmierstoffe, Elastomerteile für z.B. Die medizinische Industrie, Antihaft- oder wasserabweisende Beschichtungen oder als Zusatz in Farben und Lacken oder Kosmetika, nutzen wir die Besonderheiten des Silikons.

Für Polymere mit der typischen Baugruppe bürgerte sich
der Name Silikon ein, obwohl sie korrekterweise als Polysiloxane bezeichnet werden
müssen. Mit der Entdeckung der Direktsynthese in den frühen vierziger Jahren des
20. Jahrhunderts durch Müller und Rochow nahm die industrielle Silan- und
Silikonchemie ihren Aufschwung, da nun kostengünstig große Mengen zur Verfügung
gestellt werden konnten.

Unter der heute als Rochowsynthese bekannten Synthese, versteht man Umsetzung
von Silicium mit Methylchlorid:

Gemäß dieser Reaktion benötigt man zur Direktsynthese Silicium, Methylchlorid und
einen Kupferkatalysator sowie Promotoren.



Silicium
Das benötigte Silicium wird meist durch elektrothermische Reduktion von Siliciumdioxid
(Quarz) mit Kohlenstoff erhalten. Silicium Hersteller gibt es vor allem in den Ländern,
in denen billige elektrische Energie zur Verfügung steht.Die Hersteller erreichen es
Silicium mit einem Gehalt von > 99% zur Verfügung zu stellen Für die Direktsynthese,
die als Fest-Gas Reaktion in Fließbett Reaktoren durchgeführt werden, ist auch die
Teilchengröße des Siliciums von erheblicher Bedeutung. Zur Herstellung von Teilchen-
größen zwischen 30-350µm muß das Silizium gebrochen und gemahlen werden.

Methylchlorid
Unter Raumtemperatur und Normaldruck ist Methylchlorid gasförmig. Typische
Herstellungsverfahren sind die Chlorierung von Methan oder die Veresterung von
Methanol mit Chlorwasserstoff. Bei der Erzeugung von -Si-O-Si- Bindungen durch
Reaktion der Methylchlorsilane mit Wasser entsteht Chlorwasserstoff in Form von
Salzsäure, weshalb die meisten Silan- und Silikonhersteller diesen Chlorwasserstoff
nutzen um daraus wieder Methylchlorid herzustellen.

Kupferkatalyssator und Promotoren
Als Katalysatoren werden Materialien aus dem System Kupfer/Sauerstoff eingesetzt,
deren Teilchengröße unter 10µm liegt. Solche Katalysatoren sind meist schalenförmig
aufgebaut: in der Mitte ein kleiner Kupferkern, dann eine Cu2O Schicht und außen
eine CuO Schicht. Wichtig ist ein geringer Grad an Verunreinigungen. Als Promotor
wir häufig Zink entweder als Metall, Oxid oder Chlorid eingesetzt.

Durchführung der Direktsynthese

Bei der Synthese handelt es sich um die Umsetzung eines Feststoffgemenges mit
einem Gas. Die Reaktion wird in Fließ- oder Wirbelbettreaktoren bei 280- 300°C und
einem Druck von 2-4 bar durchgeführt. Man erhält ein Gemisch aus verschiedenen
Methylchlorsilanen:

Diemthyldichlorsilan > 80%
Methyltrichlorsilan 10-15%
Trimethylchlorsilan 3-4%

Weitere Verbindungen die in untergeordnetem Teile entstehen sind
Methylhydrogendichlorsilan, sowie Disilane, Trisilane und siliciumfreie Verbindungen.

Durch nachgeschaltete Destillatonsprozesse werden die o.e. Silane getrennt und
stehen als Grundstoff für die Silikonherstellung zur Verfügung.





Herstellung von Silikonen


Dimethyldichlorsilan ist mengenmäßig der herausragende Rohstoff für die Herstellung
von Silikonen. Die klassische Methode Dimethylchlorsilan in Dimethylsiloxan zu überführen
ist die Hydrolyse. Es werden Gemische aus cyclischen und linearen OH-ständigen
Oligomeren erhalten. Bei der kontinuierlichen Hydrolyse kann, je nach Auswahl der
Bedingungen, das Silan nahezu vollständig in lineare OH-endständige Siloxane überführt werde

Die an die Hydrolyse von Dimethylchlorsilan anschließenden ionischen Folgereaktionen
also Kondensation von Silanolgruppen und Spaltung von Siloxanbindungen laufen auch
bei der Polykondensation von OH- endständigen linearen Oligomeren ab. Die Polykondensation ist Säure- oder alkalisch katalysierbar.


Im Basischen verläuft die Reaktion gemäß:



Es handelt sich um eine Gleichgewichtsreaktion. In welche Richtung die Reaktion
läuft wird durch die Reaktionsbedingungen bestimmt.

Diesen Vorgang nebeneinander ablaufenden Spaltung und Neuknüpfung von
Siloxanen nennt man Äquilibrierung. Diese Äquilibirerungsreaktion spielt auch
bei der Kettenlängenregulierung und Copolymerherstellung eine Rolle.

Ausgehend vom Dimethyldichlorsilan erhält man eine sogenannte D-Einheit.

Es sind natürlich je nach Ausgangssilan auch andere Einheiten möglich:


Spezielle Polysiloxane

Für die Herstellung spezieller Siloxane besteht eine Vielzahl von Möglichkeiten:

- Einführung von Substituenten am Si
- Verteilung der Substituenten am Si (statistsich – blockartig)
- Kettenlänge
- Molekulargewichtsverteilung
- Kombination verschiedener Siloxaneinheiten (M,D,T,Q)


Elastomere

Für die Elastomerherstellung wird für die Vernetzung von Siloxanketten direkt am Si oder über Organoreste gebundene funktionellen Gruppen benötigt. Eine große Gruppe stellen die OH-endständigen Polydimethylsiloxane. Variiert wird hier nur die für die Vernetzungsstruktur entscheidende Kettenlänge. Bevorzugt werden diese Polymere durch Kondensation von bereits Silanolendgruppen enthaltenden Oligomeren, oder durch katalytische Spaltung von Siloxanbindungen mittels Wasser hergestellt.

Die zweite Gruppe für die Elastomerherstellung eingesetzten Polymere sind vinylfunktionelle Polydimethysiloxane . Die Si gebundenen Vinylgruppen können am Kettenende und/oder in der Kette sitzen. Hergestellt werden können diese Polymere z.B. durch Cokondensation von linearen oligomeren Dimethylsiloxanen mit Vinylmethylsiloxanen. Für eine statistische Verteilung der ViMeSiO Einheiten in der Me2SiO Kette sorgt die Äquilibrierung. Auch die Einführung der
Endgruppen und damit die Kettenlängenregulierung erfolgt über die Äquilibrierung.
In enger Beziehung zu den vinylfunktionellen Siloxanen stehen Me2SiO Polymere, bei denen Methylgruppender Kette durch Wasserstoffatome ersetzt sind. Diese SiH-funktionellen Siloxane dienen als Vernetzerbausteine für vinylfunktionelle Polymerein einer Additionsreaktion.






Die zweite Gruppe für die Elastomerherstellung eingesetzten Polymere sind vinylfunktionelle Polydimethysiloxane . Die Si gebundenen Vinylgruppen können am Kettenende und/oder in der Kette sitzen. Hergestellt werden können diese Polymere z.B. durch Cokondensation von linearen oligomeren Dimethylsiloxanen mit Vinylmethylsiloxanen. Für eine statistische Verteilung der ViMeSiO Einheiten in der Me2SiO Kette sorgt die Äquilibrierung. Auch die Einführung der Endgruppen und damit die Kettenlängenregulierung erfolgt über die Äquilibrierung. In enger Beziehung zu den vinylfunktionellen Siloxanen stehen Me2SiO Polymere, bei denen Methylgruppen der Kette durch Wasserstoffatome ersetzt sind. Diese SiH-funktionellen Siloxane dienen als Vernetzerbausteine für vinylfunktionelle Polymere in einer Additionsreaktion.






Eigenschaften des Silikons

Der Si-O-Si –Bindungswinkel von 140°, der Abstand zwischen Silizium und Sauerstoff
Atom, sowie die Abwesenheit von Substituenten am Sauerstoffatom sind verantwortlich
für die Flexibilität und Mobilität der Kette. Weiterhin ist die Kette gegen Assoziationen
mit anderen nahegelegenen Molekülen durch die Abdeckung der O-Si-O Bindungen mit
nicht polaren Methylgruppen geschützt.

Silikon zeichnet sich aus durch:

- Elastisches Verhalten
- Geringe Abhängigkeit der physikalischen Eigenschaften von der Temperatur
- Gute Gasdurchlässigkeit
- Gute Kältebeständigkeit
- Niedrige Oberflächenenrgie (21 mN/m) – bedingt durch die nicht polaren Methylgruppen
- Gute Filmbildungseigenschaften
- Gute Dielektrische Eigenschaften
- Wasserabweisende Wirkung
- Gute Inkompatibilität mit polaren Oberflächen
- Hohe Wärme- und Alterungsbeständigkeit
- Biologisch inert- nicht abbaubar


Silikone als Trennbeschichtung für Papiere und Folien.

Die Antiadhäsive Wirkung von Silikonen wird für die Herstellung von Trennpapieren
und –folien für die verschiedensten Klebeanwendungen genutzt. Mengenmäßig ist die
Beschichtung mit Silikonen oder silikonhaltigen Systemen die wichtigste Gruppe von
Trennmedien für diese Anwendung. Durch Auswahl geeigneter funktionalisierter
Polymere kann die optimale Trennbeschichtung für nahezu jeden Anwendungszweck
realisiert werden.

Heutzutage sind folgende Systeme im Markt etabliert.

Substituent
Verarbeitung Vernetzung Reaktion
Vinyl - 100 % FK
- Lösemittel
- Emulsion
thermisch Addition
Hydroxyl - Lösemittel
- Emulsion
thermisch Kondensation
Acrylat - 100 % FK UV / EB Radikalisch
Epoxy - 100 % FK UV Kationisch
Hexenyl u.ä - 100 % FK thermisch Addition


FK = Festkörper

[1] = mit freundlicher Genehmigung der Wacker Chemie


Literatur:

1. Silicone – Chemie und Technologie Vulkan Verlag Essen- 1989
2. Silicones – Production and applications Nouvelle librairie - 1988